Theatertreffen 2019

Es bleibt spannend!

Seit dem 21. Mai 2018, dem letzten Tag des Theatertreffen 2018, hat sich einiges getan in der Theaterwelt. Wir beschränken uns hier auf wenige Ereignisse, die unmittelbar an Inszenierungen und Künstler*innen des Theatertreffens anknüpfen. Milo Raus zum Theatertreffen 2017 eingeladene Arbeit „Five Easy Pieces“, eine vielschichtige Aufarbeitung der Ereignisse um den belgischen Kindermörder Marc Dutroux, wurde zum Theatertreffen 2018 in China eingeladen und konnte in drei chinesischen Städten große Erfolge feiern.

43 Kritiker*innen haben in der jährlich stattfindenden Umfrage des Fachmagazins „Theater heute“ gleich mehrere Künstler*innen des diesjährigen Theatertreffens zu den besten der Saison gekürt: Falk Richters Abrechnung mit Donald Trump, dem Erstarken des Rechtspopulismus und dem Erschlaffen der Linken auf der Grundlage von Elfriede Jelineks „Am Königsweg“, entstanden am Schauspielhaus Hamburg, wurde als Stück und Inszenierung des Jahres ausgezeichnet sowie Benny Claessens für seine Radikalperformance als kindlich-trotziges Abziehbild des amerikanischen Präsidenten zum Schauspieler des Jahres gewählt. Die Konzeptkünstlerin Anta Helena Recke beschäftigte sich in der Tradition intervenistischer Appropriation Art mit „Mittelreich“, einer 2016 zum Theatertreffen eingeladenen Adaption von Josef Bierbichlers gleichnamigen Roman durch Anna-Sophie Mahler, und wurde für ihre „Schwarzkopie“ zur Nachwuchsregisseurin des Jahres ernannt. Vegard Vinge und Ida Müller wurden für die grell aufflackernde Bühnenwelt ihres Totaltheaters „Nationaltheater Reinickendorf“ ausgezeichnet. Und das Theater Basel, beim Theatertreffen 2018 mit Ulrich Rasches „Woyzeck“-Maschinentheater vertreten, wurde zum besten Theater des Jahres gekürt. Alles in allem ein starker Jahrgang.

Die Theatersaison läuft nun wieder auf Hochtouren. Inhaltlich dominieren die #MeToo-Debatte und die Veränderungsdynamiken durch Globalisierung und Digitalisierung die Spielpläne, während in der Fülle formal heterogener Erzählweisen die Vitalität des deutschsprachigen Theaters sichtbar wird. Zahlreiche Neustarts mit neuen Intendant*innen und Teams wie in Stuttgart, Mannheim, Nürnberg oder der Berliner Volksbühne versprechen aufregendes Theater.

Die unabhängige, siebenköpfige Theatertreffen-Jury ist bereits seit dem 22. Januar 2018 wieder unermüdlich in allen Ecken und Winkeln des deutschsprachigen Raums auf der Suche nach zehn bemerkenswerten Inszenierungen, die im Mai 2019 in Berlin als Ausschnitt all dessen, was an deutschsprachigen Theatern und freien Produktionshäusern geleistet wird, gezeigt werden sollen. Am 20. Januar 2019 wird der Sack zugeschnürt, und aus sieben subjektiven Seherfahrungen kondensieren sich nach heftigen Diskussionen die zehn Einladungen zum Theatertreffen 2019. Bis dahin ist noch viel los im Theater. Es bleibt spannend!